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CD-Verhör: Bran Van 3000 - Glee

R E L E A S E
© 1 9 9 7 | 9 8
A U D I O G R A M  R E C O R D S
D I S T R I B U T E T  B Y
E M I  M U S I C

P R O D U C E R S
H A I G H  V. ,  B R A N  M A N
&  E P  B E R G E N
F O R  Z O O B O N E  S O U N D
@  H A M B U R G E R  S T U D I O S



[CD-Besprechung vom 1. März 2002 | letzter Stand 7. November 2005]

das Cover

Die Farben sagen doch schon alles.
Originellerweise enthält das Cover auch die Tracklist auf dem linken schwarzen Rand.


das Booklet

Alle Texte! Vorbildlich. Dazu gesellen sich eine Sammlung kultiger Fotos und Grafiken. Am meißten wundere ich mich immer noch über das eigenartige Gemälde auf der Rückseite.


das Inlay

Dort wo normalerweise die Tracklist steht, prangt ein Foto einiger Bandmitglieder (hier ausgeschnitten und vergrößert).


der Tonträger

Babyblau im Jewelcase.


die Tracks

Schon vor dem weithin bekannten und erfolgreichen Hit "Drinking in L.A." (Soundtrack zu »» "Leben und Lieben in L.A.") kommt ein absoluter Hammer der Platte. Und zwar in gestallt des Intro!
"Gimme Sheldon" nennt er sich und ist eine skurile, spannungs-geladene, teilweise gruselig bombastische Reise, quer durch die Musikgenres, mit diversen guten Stereo- | Hall-Soundeffekten, abge-fahrenen Samples und Zitaten. Jazz-, HipHop-, Drum & Bass-, Reggea-, Rock- und Funk-Elemente mischen sich zu einem grandiosen Auftakt, zu einer noch grandioseren Scheibe.
Ein nahtloser Übergang führt zu einer Art zweiten Einleitung, welche die wahre Absicht des Albums aufdeckt "You can make a trip around the world, without leaving your (...)" couch! Na wenn das mal kein hochgestecktes Versprechen ist.

Nach "Couchsurfer" folgen endlich jene Ohrwurm-Gitarrenriffs, die "Drinking in L.A." so bekannt gemacht haben. Wer diesen Song nicht kennt ist arm dran. Tschuldigung das ich das so in aller Deutlichkeit sage, aber es hat ihn eh schon jeder irgendwo mal gehört, weiß es aber nicht mehr, womit letztere Schmach hinfällig wird ;-)
Von da her spar ich mir jegliche weitere Beschreibung, die eh nicht wiederzugeben vermag, was denn nun großartiges an dem Song sei (nennt es Faulheit).
Ohnehin habe ich eine recht persönliche Beziehung und daher subjektive Sichtweise zu ihm, da ich fast täglich am "Trader Vic´s" (Restaurant | Bar) vorbei gehe, welches im Text namentlich genannt wird... - ab hier werdet ihr mich wohl als hoffnungslos irren Fan abtun. Zurecht!

Track 4 und 5 schocken ebenso, sind aber recht kurz und dienen fast nur, als Überleitung zur Nr. 6 mit Namen "Forest".
Die Fusion von Rock und HipHop (vielleicht auch die Stimme des Sängers) errinnern mich mehr noch als bei "Drinking in L.A." an den TripHop von Massive Attack, die dieses Musikgenre 1991 quasi erfunden haben. Mit dem Unterschied das zum wesentlich rocklastigeren Sound, sich auch Frauenstimmen gesellen.
Diese tauchen auch im nun folgenden Intro von Reggea-Rock-"Rainshine" auf, welches die mit Abstand schönste "Schlagzeug+Gesang - , anschließend Gesang+akkustische Gitarre - Einleitung" hat, die ich jemals hörte.

"Afrodiziak", der Track mit dem größten HipHop-Feeling, kennen vielleicht ein paar aus dem Radio, war aber lang nicht so erfolgreich wie "Drinking in L.A." und wird nach öfterem Hören ohnehin langweilig. Richtig erwähnenswert wirds erst wieder bei "Cum On Feel The Noize", welches die richtige lockerleichte Grundstimmung zum folgenden - meinem Lieblingslied auf dem Album - liefert.
Es scheint, daß der furiose, wilde Abspann von "Cum On Feel The Noize" dem Sound sämtliche Energie entzogen hätte. Nach der kurzen E-Gittaren-Einleitung zu "Exactly Like Me", kommt ein lockerzart dahinplätschernder, wunderschöner, "Entspannt Euch Und Sorgt Euch Nicht, Wir Sind Doch Alle Gleich Dumm Und Das Macht Garnichts Song". Man lehnt sich zurück, lauscht, spürt förmlich wie die Sonne über einem aufgeht, ringsum die Blumen erblühen, die Vöglein zwitschern und man all das, von einer rosaroten WatteWolke aus (s. dazu das Booklet), beobachtet.
Das hört sich jetzt vielleicht arg komisch an, läßt sich meiner Ansicht nach aber nicht weniger kompliziert wiedergeben. Hört man auf den Text wird es noch verwirrender, denn der hat eine recht philosophisch, melancholische Grundfrage zu bieten:
"Why can´t you just be - exactly like me?".
Wer kann mir das beantworten?

Auf den ersten Blick sind die Texte überwiegend eher lustig verarschend angelegt und diskutieren echte Belanglosikeiten des alltäglichen Lebens. Wirklich ernst ist die Platte also nicht, es hat aber auch nie den Anschein gemacht, daß sie diesen Anspruch erhebt.
Stattdessen wird sie von einer herrlich fröhlichen Selbstironie begleitet, welche den künstlerischen Aspekt der Musik, aber auch der Texte nie aus den Augen verliert. Trotz der auf den ersten Blick leichten und oberflächlichen Lyric-Kost, bietet sich dem aufmerksamen Hörer ein Kunstwerk. Eines mit viel Tiefgang, welches sich dennoch nicht künstlich aufdrängt, verpackt in ein wunderschönes und unkonventionelles Klanggewand.

Lauschig, locker und mit Violinenbegleitung, geht es in den folgenden zwei Tracks weiter. In dieser Entspannungsphase lädt sich der Sound für "Old School" wieder auf; man sollte sie ausgiebig genutzt haben, will man nicht vom Energieausbruch des Tracks erschlagen werden....
"Supermodel" läßt die Platte mit einem sehr melodischen Ohrwurm ausklingen.

Letztendlich bin ich extrem froh diesen zufälligen Glücksgriff in die Plattenkiste gemacht zu haben. Inzwischen bin ich auch stolzer Besitzer des 2001 erschienenen Nachfolgers "Discosis", zu dem auch ein CD-Verhör existiert.


die Täter

Bran Van 3000 war eine der wenigen Bands die Spaß am Musizieren hatte und dies spürbar. Hört man eines der beiden Alben, überträgt sich die gute Laune innerhalb von Sekunden. Die Energie der Gesänge und der bunten Beats ist kollossal und unfassbar ansteckend.
Bran Van 3000 waren - denn ihr Label ging Pleite. Die für 2001 geplante Tour fand niemals statt, dass letzte Video entstand in Eigenregie und einmal auf der Homepage zum herunterladen verfügbar. Im Netz tummeln sich auch diverse Live-Mitschnitte von Festivals und kleinen Gigs. Die Bühnenpräsenz der Band verdeutlicht das unglaublich rockende Potential, welches nun auf Eis liegt. Es steht zu befürchten, dass die über 30 in alle Welt verstreuten Künstler, nie wieder unter einem Label zusammenfinden. Nicht der Unwillen der Mitglieder, eher die katastrophale Politik der Musikindustrie, dürften eine erneute Formation der Band verhindern. Denn innovative Musik mit Risikopotential ist bei den geldgierigen Major-Labels nicht gefragt. Die willigen Indie-Labels hingegen, die nicht auf die schnelle Mark fixiert sind, kämpfen um ihre blanke Existenz.


Alle Tracks im Überblick (im Text besprochene fett)
  1. Gimme Sheldon [3:58]
  2. Couch Surfer [2:51]
  3. Drinking In L.A. [3:56]
  4. Problems [1:40]
  5. Highway To Hack [0:57]
  6. Forest [3:44]
  7. Rainshine [3:31]
  8. Carry On [4:51]
  9. Afrodiziak [4:38]
  10. Luck Now [2:09]
  11. Cum On Feel The Noize [3:22]
  12. Exactly Like Me [3:33]
  13. Everywhere [3:56]
  14. Une Chancon [2:35]
  15. Old School [2:47]
  16. Willard [2:25]
  17. Supermodel [5:25]
  18. Oblonging [1:19]
  19. Mama Don´t Smoke [1:58]
Gesamtspieldauer [59:35]


die Links

Ab zur »» Branvan3000 Linksammlung

Gedanken zum Eintrag 2
Eintrag vor 3108 Tagen von Tom abgelegt
in kritisiert am 01. März 2002

schne rauf

 

Eure Gedanken

  1.  8c9 am 09. November 2005 | E-Mail
    arg.. ich kann die cd nich in einhoven kaufen :schmoll:
  2.  Tom am 09. November 2005 | E-Mail | WWW
    Die ist fast überall total vergriffen. Selbst bei Ebay is schwer. Musst mal in kleineren Plattenläden gucken. Lohnt sich auf jeden Fall!
 

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